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Ralf Hansen
Problemfragen des familienrechtlichen Unterhalts an Volljährige
Eine Rezension zu: Jürgen Soyka Die Berechnung des Volljährigenunterhalts Bedarf - Bedürftigkeit - Leistungsfähigkeit - Haftungsanteile - Kindergeldanrechnung
3., überarbeitete Auflage
Bielefeld: Erich-Schmidt-Verlag, 2004, 299 S., 39,80 € ISBN 3-503-078844-4
Der Verfasser, Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf, beschäftigt sich in dieser interessant zu lesenden Übersichts-Monographie mit den maßgeblichen Problemzonen des Volljährigenunterhalts aus der Perspektive der angemessenen Berechnung. Dies spart die Thematisierung der damit verbundenen Rechtsfragen natürlich nicht aus. Der Aufbau folgt einer praktisch orientierten Prüfungsreihenfolge für die Unterhaltsberechnung, die der Rechtspraxis die Berechnung des Volljährigenunterhalts erleichtern soll und orientiert sich an der Rechtsprechung des BGH sowie der Oberlandesgerichte. Sie greift in der Neuauflage vorwiegend aktuelle Entwicklungen im Unterhaltsrecht auf, da aufgrund einer geänderten Rechtsprechung des BGH maßgebende Erwägungen überdacht und teilweise revidiert werden mußten. Das Werk tritt damit neben das Werk des Verfassers über "Die Berechnung des Ehegattenunterhalts" (Erich Schmidt Verlag, 2003). Eingearbeitet sind insbesondere alle Auswirkungen der Neuerungen durch das Kindesunterhaltsgesetz, die sich mit dem Erreichen der Volljährigkeit nicht erledigen, zumal mit diesem Zeitpunkt grds. die Barunterhaltspflicht beider Elternteile eintritt, ganz abgesehen von der allgemeinen Unterhaltspflicht der §§ 1601, 1603 I BGB. Im Bereich der schwierigen Kindergeldverrechnung waren auch einkommenssteuerrechtliche Aspekte zu berücksichtigen, bei denen sich nahezu jährlich erhebliche Änderungen ergeben und die - soweit ersichtlich - souverän eingearbeitet worden sind. Eingehend berücksichtigt wurde die Reform der Kindergeldanrechnung zum 01.01.2001, die zu einer umfangreichen Diskussion der Definition des Mindestunterhalts und der Anwendbarkeit des § 1612 b V BGB auf den Volljährigenunterhalt geführt hat. Die Neuerungen aufgrund der Neufassung der Düsseldorfer Tabelle zum 01.07.2003 wurden eingehend eingearbeitet. Der Text hat den Stand von Februar 2002. Das Konzept des Buches besticht durch eine transparente Systematik, zumal die Darstellung klarer nicht sein könnte.
Ein erster Teil führt den Leser in die Grundfragen der Berechnung des Volljährigenunterhaltes
ein und unterscheidet die verschiedenen Unterhaltsformen des Bar-, Natural-
und Betreuungsunterhaltes. Die Ausführungen zeigen die Verzahnung von
Berechnungsfragen mit materiellem Recht, etwa im Zusammenhang des § 1603 II 2
BGB, der volljährige, unverheiratete Kinder, die im Haushalt der Eltern oder
eines Elternteiles leben, minderjährigen Kindern gleichstellen, sofern sie
das 21. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Die Unterhaltstitel bleiben
überdies gültig, sodass bei Eintritt der Volljährigkeit nicht neu geklagt
werden muss. Im Falle der Anspruchserhöhung kommt lediglich eine
Abänderungsklage in Betracht. Die Ausführungen zeigen den
engen Zusammenhang von Fragen des Volljährigenunterhalts mit der Finanzierung
von Schul- und Berufsausbildungen durch die Eltern oder
Erziehungsberechtigten. Allerdings spielen bei der Unterhaltsgewährung Fragen
des Bestimmungsrechtes nach § 1612 II BGB eine erhebliche Rolle, denen der
Verfasser eingehend - stets mit Blick auf die anwaltliche Praxis - nachgeht.
Die Einzelheiten führen zwischen den Eltern oftmals zu Konflikten,
insbesondere nach Scheidungen, ohne dass das Gesetz ausdrückliche
Konfliktregelungsmodelle bereitstellt. Wirksame Bestimmungen können nur die
Familiengerichte auf Antrag des Kindes gewähren, wenn besondere Gründe
vorliegen, auf die der Verfasser ebenso intensiv eingeht, wie auf damit
verbundene prozessrechtliche Fragen, so dass dieses Werk sich keineswegs nur
mit Berechnungsfragen beschäftigt, sondern vorausliegende Rechtsfragen sehr
plastisch aufarbeitet. |