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Ralf Hansen
Das Handbuch zum Schmerzensgeld

Eine Rezension zu:
Lothar Jaeger/Jan Luckey
SCHMERZENSGELD
Tabelle - Systematische
Erläuterungen - Muster - Urteilstexte auf CD-ROM
1. Auflage
Recklinghausen: ZAP-Verlag, 2003, 806 S.,
ISBN 3-89655-141-8
http://www.zap-verlag.de
Der Band sorgte schon unmittelbar nach Erscheinen
für höchste Aufmerksamkeit, da es den Verfassern gelungen ein Handbuch
vorzulegen, dass auf diesem Sektor nahezu konkurrenzlos sein dürfte.
Das Anliegen der Autoren eine Plattform für höhere Schmerzensgelder zu
schaffen ist literarisch gelungen. Die Autoren gehen für Deutschland
von dem Befund aus, dass die Thematik Schmerzensgeld ein sehr
vernachlässigter Bereich ist. Sie kritisieren auch die üblichen
Schmerzensgeldtabellen, die immer unübersichtlicher geworden sind und
streckenweise auf sehr alte Rechtsprechung zurückgreifen, die heute
kaum mehr repräsentativ ist. Oftmals sind in diesem Bereich auch
Gerichtsentscheidungen zu verzeichnen, die angesichts der
"Tabellenstruktur" nach "Schema F" verfasst worden
sind, ohne dass Argumentation am Sachverhalt erkennbar wird, bezogen auf
das individuelle Einzelschicksal. Hier wollen die Autoren mit ihrer
Konzeption einen Schlussstrich ziehen. Es wird abzuwarten sein, wie die
Rechtsprechung diesen Ansatz zweier Richter aus Köln aufgreift.
Hinsichtlich der verarbeiteten Rechtsprechung
konzentriert sich das Werk auf die Rechtsprechung der letzten zehn
Jahre, soweit sie auch Argumentationen zur Sache enthält und nicht
lediglich Pauschalsätze ansetzt, die für "angemessen"
erklärt werden, sondern die eine möglichst abgrenzbare
Körperverletzung betreffen und den Klageantrag mitteilen. Es ist das
deutliche Anliegen dieses Werkes zu erhöhten Begründungsanforderungen
für die Gerichte vorzustoßen, zu denen die Rechtsanwaltschaft aber
auch die entsprechenden "Vorlagen" liefern kann und sollte.
Das Buch besteht aus drei Teilen. Teil 1 behandelt
die Geltendmachung von Schmerzensgeldansprüchen, wobei Abschnittl A die
Entwicklung der Schmerzensgeldrechtsprechung in einer Übersicht seit
dem bahnbrechenden Urteil des Reichsgerichts aus dem Jahr 1882 und des
Grundsatzurteils des BGH von 1955 rekonstruiert. Die BGH -
Rechtsprechung erfährt dabei eine harsche Kritik. Abschnitt B enthält
eine Übersicht zu den Haftungstatbeständen, die auch zahlreiche
Beispiele enthält, während Abschnitt C die entscheidende Ausführungen
zur inzwischen durchgesetzten Vererblichkeit des
Schmerzensgeldanspruches und zu maßgeblichen Abgrenzungsfragen beim
Schmerzensgeldanspruches enthält, so etwa zum Haftungsausschluss bei
§§ 104 ff SGB VII, die von Teilen der Literatur nicht mehr für
zeitgemäß gehalten wird. Besonders Augenmerk ist auf den Abschnitt D
zu richten, der die maßgeblichen Fragen des Schutzumfanges behandelt
und zwar entlang der relevanten aktuellen Problemstellungen. Die Autoren
unternehmen etwa eine intensive Auseinandersetzung mit dem in § 253 BGB
nunmehr explizit aufgenommenen Schutzgut des sexuellen
Selbstbestimmungsrechts insbesondere von Frauen. Hier herrscht eine
äußerst restriktive Praxis, mögen auch neuere Entwicklungen zu einem
höheren Niveau hindeuten. Stimmen aus der Literatur fordern hier in
Folter-Fällen eine deutliche Berücksichtigung der Langzeitfolgen. Auch
wenn die Autoren sich keinen großen Hoffnungen hinsichtlich eines
"Quantensprunges" hingeben, fordern sie doch die deutschen
Richter zu mehr Mut auf. Erfreulicherweise wird auch Phänomene wie
Mobbing eingegangen. Auch der neue § 253 BGB gewährt kein
Schmerzensgeld für Tod, auch nicht für nahe Angehörige, wie anhand
des "Concorde-Falles" verdeutlicht wird und eine
rechtsvergleichend ansetzende, rechtspolitische Kritik erfährt. Der
ungemein lesenswerte Abschnitt E beschäftigt sich mit den spezifischen
Haftungsfragen insbesondere mit den praktisch sehr relevanten Fragen des
Haftungsumfanges. Die Ausführungen gehen dabei auf die maßgeblichen
Problemkonstellationen, so etwa auf die Problematik des baldigen Todes,
der Unfallneurosen und der Zerstörung der Persönlichkeit. Abschnitt F
arbeitet die maßgeblichen Argumentationen für die Bemessungsgrundlagen
heraus, ansetzend bei der Argumentationsfigur der Genugtuungsfunktion,
die die Autoren für ein Auslaufmodell halten, weil die damit
verbundenen Pönalisierungstendenzen heute anachronistisch wirken, auch
etwa im Vergleich mit den US-amerikanischen Entwicklungen der punitive
damages. Entworfen wird ein detailliertes Argumentationsraster unter
Einschluss aller maßgeblichen Kriterien, die einer Gesamtschau zu
unterwerfen sind und in einer ausgezeichneten Checkliste zusammengefasst
werden. Die Abschnitte G und H sind besonders auf anwaltliche
Bedürfnisse zugeschnitten und arbeiten die Besonderheiten des
gerichtlichen Verfahrens in Schmerzensgeldangelegenheiten heraus, wobei
zahlreiche Checklisten und Praxistipps deutliche Hilfen geben, die
unterstützt werden durch ausgefeilte Schriftsatzmuster, Klageanträge
und Vergleichsvorschläge in Abschnitt H, die sämtlich auf der CD-ROM
enthalten sind.
Teil 2 enthält nach den im Vorwort genannten
Maßgeben eine neue Form der Schmerzensgeldtabelle, die sich an
einschlägigen Gerichtsentscheidungen der letzten 10 Jahre orientiert,
deren Leitsätze auf der beiliegenden CD-ROM nebst Fundstellen enthalten
sind. Die Entscheidungen sind nach Körperbereichen und
Verletzungstypisierungen geordnet, die durch Anklicken des Körperbildes
auf der Startseite der CD-ROM unmittelbar zugänglich sind. Ohnehin ist
diese CD-ROM ausgezeichnet strukturiert., da insbesondere äußerst
komfortable Suchfunktionen enthalten, die es ermöglichen, die gesuchte
Informationen rasch aufzufinden und zu verarbeiten.

Teil 3 enthält ein Lexikon der einschlägigen
medizinischen Fachbegriffe, das die wesentlichen Begriffsverwendungen
erklärt. Dies ist angesichts des Zwanges medizinische Gutachten
juristisch nachvollziehen zu können, sehr wichtig.
Kein Handbuch des Schmerzensgeldes dürfte derzeit
mehr Information bieten. Das Werk hat sich bereits kurz nach Erscheinen
als ein Standardwerk erster Klasse durchgesetzt. Man kann dazu nichts Besseres lesen!
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