Ralf Hansen

Grundzüge des Multimediaurheberrechts

Eine Rezension zu:

AstridAuer-Reinsdorff/Andrea Brandenburg

Urheberrecht und Multimedia

Eine praxisorientierte Einführung

Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2003, 272 S., 49,80 Euro

ISBN 3-503-07056-7

http://www.erich-schmidt-verlag.de

In der Informations- und Wissensgesellschaft gerät das "geistige Eigentum" in ein Spannungsverhältnis zwischen öffentlicher Nutzbarmachung und den Schutz von Verwertungsinteressen. Damit ist insbesondere das Verhältnis von Wirtschaftsinteressen und Gemeinnützigkeit des Eigentums angesprochen. Diesem Verhältnissen haben neben dem Patentrecht - allerdings mit einem erheblich individuelleren Einschlag - insbesondere das Urheberrecht Rechnung zu tragen, das gerade aus Anlass der Umsetzung der EU-Informationsrichtlinie geändert wurde (http://www.urheberrecht.org). Mit dieser Informationsrichtlinie RL 2001/25/EG gerieten die nationalen Urheberrechte unter einen erheblichen Reformdruck. Einzelne Regelungen waren bereits im Gesetzgebungsprozess umstritten und werden dies bis auf weiteres auch bleiben. Damit stellt sich für den Bereich der multimedialen Präsentation von Inhalten, die Frage nach rechtsicherer Gestaltung, die bis zu einem gewissen Grad auch technikabhängig ist. Allerdings wird hier von Mandanten von der anwaltlichen Beratung oftmals eine Rechtssicherheit eingefordert, die praktisch nicht realisierbar ist.

Das Buch versucht hier praxisnahe Lösungsansätze zu präsentieren, konnte die neue Reform des Urheberrechts aber nur im Entwurfsstadium im Licht der Informationsrichtlinie berücksichtigen. Da im Grundsatz in der "virtuellen Welt" die gleichen Grundsätze wie in der "Real World" gelten, deren Verhältnisse sie wiederspiegeln, untersucht das Buch maßgeblich die Modifikationen, die die Anwendung dieser Regeln auf den multimedialen Bereich fordern. Um dies zu leisten werden nach einleitenden Bemerkungen und einer Skizze der maßgeblichen rechtlichen Grundlagen zunächst die Grundzüge des Urheberrechts dargestellt, vom Werkbegriff, über Urheberpersönlichkeitsrechte, der Übertragung von Nutzungsrechten, den Schranken des Urheberrechts bis hin zu den Rechten der Leistungsschutzberechtigten und den Verwertungsgesellschaften, wobei sich in letzterem Zusammenhang auch schon eine Erläuterung des § 95b UrhG findet, der die Rechte aus § 53 UrhG entscheidend einschränkt.  

Teil IV widmet sich den Kernfragen der Multimediaproduktion und zwar vollständig problemorientiert ausgehend von relevanten Nutzungshandlungen im Onlinebereich, die einzelnen durchgegangen werden, ausgehend von der Digitalisierung von urheberrechtlich geschützten Werken über das Uploading, Pushdienste, den immer wichtiger werdenden P2P-Bereich,das Streaming und das Setzen von Hyperlinks. Ein weiteres Kapitel widmet sich in diesem Rahmen den Problemen der Computerprogramme und Datenbanken, etwa unter Einschluss der Probleme der Computer- und Videospiele.

Teil V setzt sich intensiv mit der Durchsetzung der Abwehrrechte auseinander, während Teil VI strafrechtliche Fragen erörtert und diesem Rahmen auch Fragen der Haftungsprivilegierung nach §§ 8-11 TDG praxisnah erläutert werden. Teil VII behandelt verfahrensrechtliche Fragen, ausgehend von der urheberrechtlichen Abmahnung. Teil VII schließlich stellt die kollisionsrechtlichen Fragen in einer prägnanten Skizze dar.

Die sehr gelungene Darstellung ist derart praxisnah gestaltet, das sie auf breites Interesse stoßen dürfte.