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Ralf Hansen Eine umfassende Darstellung kündigungsrechtlicher Fragen im Arbeitsverhältnis
Eine Rezension zu: Andreas Busemann/Horst Schäfer Kündigung
und Kündigungsschutz im Arbeitsverhältnis 5., überarbeitete und erweiterte Aufl., Berlin, Erich-Schmidt-Verlag,
2006, 592 S., 86,00 EUR ISBN 3-503-08755-9 http://www.esv.info/3-503-08755-9
Das Handbuch bietet auf dem Stand von Juni 2005 eine umfassende und systematische
Darstellung des Rechts der Beendigung von Arbeitsverhältnissen und möglicher
Schutzmaßnahmen gegen eine solche Beendigung. Es richtet sich vornehmlich an Praktiker und sieht es daher
nicht als seine Aufgabe an, Zweifel an der Weitsicht unserer Politiker und der
Klugheit der gesetzgeberischen Produkte zu äußern, wie es im Vorwort heißt,
auch wenn die Kritik deutlich anklingt. Das Ziel es ist vielmehr die verzweigte
Materie für den Praktiker beherrschbar zu machen, weshalb sich die Darstellung
primär an der Rechtsprechung orientiert. Eingearbeitet sind allerdings auch zahlreiche Entscheidungen der
Instanzgerichte. Geschrieben ist das Handbuch nicht nur für die gerichtliche, sondern
auch für die betriebliche Praxis. Es will damit auch einen Beitrag zur Prävention
bieten, indem rationale Berücksichtigung und die eingehende Analyse der
Rechtslage manchen Prozess unnötig machen könnten. Die Neigung zur
präventiven Rechtsberatung könnte in Deutschland indessen ausgeprägter sein.
Da das Kündigungsschutzrecht nicht zur Ruhe kommt - und bereits eine weitere Reform angekündigt ist - ist in weiten Teile jede juristische Stellungnahme eine Art Momentaufnahme und letztlich vorläufig. Die Autoren betonen dies insbesondere im Hinblick auf den Schwellenwert des § 23 KSchG. Die hektischen Reformen lassen letztlich eine verlässliche praktische Erprobung kaum zu. Das Handbuch vermittelt einen umfassenden Zugang zur Thematik und setzt zunächst beim Begriff der Kündigung als Gestaltungsrecht in Abgrenzung zu anderen Beendigungstatbeständen an, besonders im Rahmen des Befristungsrechts insbesondere des TzBfG, das in einem Stichwort-ABC sehr anschaulich zusammengefasst wird. Ebenso vorgegangen wird in Abgrenzung zum Aufhebungsvertrag, dem in der Praxis längst eine zentrale Funktion zukommt, mag sie auch sozialversicherungsrechtliche Nachteile mit Blick auf § 144 SGB III bergen. Ausgiebig erörtert werden auch Fragen der Form nach § 623 BGB (der elektronische Kündigungen ausschließt) und des Zugangs der Kündigung. Eingehend klären die Verfasser die Reichweite des § 102 BetrVG und Beteiligungsrechte des Personalrats bei Kündigungen im öffentlichen Dienst. Bei der Erörterung der Voraussetzungen der ordentlichen Kündigung wird eingehend auf fristenrechtliche Probleme und ihre Berechnung eingegangen, mit einem ausgezeichneten “Seitenblick” auf tarifvertragsrechtliche Besonderheiten für Kündigungsfristen in Tarifverträgen und im Berufsausbildungsrecht. Besondere hohe Anforderungen an die Begründung stellt die außerordentliche Kündigung, die zudem innerhalb von 14 Tagen ab Kenntnis erklärt werden muss, § 626 II BGB. Die Kasuistik zu § 626 I BGB ist weit verzweigt und im Detail schwer durchschaubar. Es gelingt den Verfassern aber, die Kasuistik zum “wichtigen Grund” anhand des zweistufigen Prüfungsschemas (grundsätzliche Eignung der angegebenen Gründe für die Annahme eines wichtigen Grundes und Interessenabwägung hinsichtlich der Unzumutbarkeit einer weiteren Fortsetzung des Arbeitsverhältnis mit Prognoseentscheidung) der Rechtsprechung zu systematisieren und damit gut handhabbar zu machen. Dies gelingt den Verfassern insbesondere deshalb, weil sie die maßgeblichen Fallgruppen einzeln durchdiskutieren. Auch das Sonderkündigungsrecht des § 113 InsO - der keinen neuen, materiellrechtlichen Kündigungsgrund enthält - wird sehr umfassend berücksichtigt und das Zusammenspiel dieser Norm mit § 1 KschG transparent gemacht. Eingegangen wird dabei auch auf die schwierigen Fragen des (Teil-) Betriebsübergangs während eines laufenden Insolvenzverfahrens. Der zweite Abschnitt des Bandes widmet sich kündigungsschutzrechtlichen
Fragestellungen. Zunächst erörtern die Verfasser das Kündigungsschutzsystem
des KSchG. Zuvor aber setzen sich die Verfasser eingehend mit der kündigungsschutzrechtlichen
Behandlung der Änderungskündigung auseinander und geben sehr interessante
Praxishinweise zu diesem Thema, etwa bei Durchführung einer Änderungskündigung trotz
ausreichender Ausübung des Direktionsrechts. Hinsichtlich der Sozialwidrigkeit
einer ordentlichen Kündigung werden die Ausgangsvoraussetzungen für die
notwendige Interessenabwägung klar und ausführlich erörtert. Schließlich
steht diese Frage meist im Zentrum einer gerichtlichen Auseinandersetzung, mit für
den Arbeitnehmer sehr weitreichenden Folgen bei Verneinung der Sozialwidrigkeit.
Arbeitnehmer- wie Arbeitgebervertreter finden hier interessante Hinweise für
eine sachgerechte Argumentation. Die Darstellung zeigt auch gewisse Überschneidungen
zwischen den Fallgruppen der personen- und verhaltensbedingten Kündigung auf,
etwa bei Krankheit als Kündigungsgrund unter Einschluss der zentralen
Problematik der Abmahnung. Auch hier gehen die Autoren die Fallgruppen Punkt für
Punkt durch. Das Hauptgewicht der gegenwärtigen Praxisprobleme dürfte indessen
auf den “dringenden betrieblichen Erfordernissen” der betriebsbedingten Kündigung
liegen, die einer Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers im konkreten Betrieb
entgegenstehen. Damit ist immer auch das Problem der Sozialauswahl angesprochen,
da regelmäßig versucht wird, Bilanzverluste mit Maßnahmen der
betriebsbedingten Kündigung aufzufangen, was regelmäßig zu harten
gerichtlichen Auseinandersetzungen führt. Die Autoren versuchen diese Kriterien
so transparent wie möglich zu machen und gehen auch hier wieder die Fallgruppen
Punkt für Punkt durch. Klar herausgestellt werden die fünf beachtlichen
Widerspruchsgründe gegen die Kündigung, insbesondere § 102 V BetrVG
hinsichtlich des Widerspruchsrechts des Betriebsrats. Erweitert wurden
angesichts der gestiegenen Bedeutung die Ausführungen zur Betriebsstillegung,
bei eine Sozialauswahl überflüssig ist. Die Angriffe der Arbeitgeberseite
werden hier meist gegen die Ernsthaftigkeit des Entschlusses geführt, den
Betrieb stillzulegen. Die einschlägige Judikatur wird - auch mit Blick auf §
613 a BGB- eingehend analysiert. Die Darstellung geht bei
im Zusammenhang mit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses sehr intensiv auf
Fragen der angemessenen Abfindungshöhe ein, bei der ungeachtet des § 1 a KSchG
immer noch Verhandlungsspielräume bestehen. Die restlichen Ausführungen widmen
sich dem besonderen Kündigungsschutz im Rahmen der Betriebsverfassung, des
Mutterschutzes, bei Schwerbehinderten und bei Massenentlassungen. Das Handbuch bietet eine umfassende Darstellung aller Aspekte
im Zusammenhang mit Fragen der Beendigung von Arbeitsverhältnissen und bietet
eine ausgezeichnete Hilfestellung für alle, die mit derartigen Fragen befasst
sind. |