Internationales Familienrecht

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Internationales Familienrecht

 

 Eine Rezension zu:

 

Marianne Andrae

Internationales Familienrecht

2. Auflage

NomosPraxis

Baden-Baden: Nomos-Verlag, 2006, 540 S.

ISBN 3-8329-1361-0

http://www.nomos.de 

 

Das internationale Familienrecht ist eine hochkomplexe Materie, die hier aus deutscher Sicht mit zahlreichen Ausblicken auf die Situation im Ausland dargestellt wird. Das Buch ist eine Mischung aus Einführung und profundem Handbuch, die sehr gelungen ist, und erörtert nahezu alle praxisrelevanten Aspekte der Familienbeziehungen mit Auslandsberührung, deren praktische Relevanz noch weiter zunehmen wird. Die sehr detaillierte und systematische Darstellung orientiert sich dabei an Sachproblemen wie Scheidung, Unterhalt oder Abstammung von Kindern. Es ist sehr erfreulich, dass in die Darstellung zahlreiche Fallbeispiele eingestreut sind, die das Verständnis dieser hochkomplexen Darstellung sehr erleichtern. Vorkenntnisse im Bereich des IPR erleichtern die Lektüre erheblich.  

§ 1 behandelt Probleme der Eheschließung mit Auslandsberührung. In der Einführung werden die maßgeblichen völkerrechtlichen Verträge - wie das Haager Eheschließungsabkommen - kurz vorgestellt, um sodann die Probleme der Eheschließung im Inland zu behandeln. wobei hier dem Anwendungsbereich des Sachstatuts besondere Bedeutung zukommt. Bei der Erörterung der Formfragen werden die Probleme einer Eheschließung im Ausland mit den Auswirkungen für das deutsche Recht eingehend behandelt. § 2 geht intensiv auf Fragen der internationalen Zuständigkeit ein, wobei nunmehr die EhevO eingehend erörtert wird. § 3 stellt die allgemeinen Ehewirkungen und das Güterrecht aus kollisionsrechtlicher Sicht dar, wobei wiederum den einschlägigen EU - Verordnungen und den europäischen Übereinkommen eingehender Raum gewidmet ist. Die problemorientierte Darstellung bewährt sich etwa bei der Darstellung des Ehewirkungstatuts, dass nach wie vor nach der Kegel'schen Leiter des § 14 EGBGB objektiv angeknüpft wird, die bei einem gemeinsamen Heimatrecht ansetzt und sich dann bis zur engsten Verbindung voranarbeitet. Gerade hier bieten die sehr passend ausgewählten Fälle eine deutliche Orientierungshilfe. Bei der Qualifikation vermögensrechtlicher Ansprüche wird den Besonderheiten der Morgengabe ebenso Rechnung getragen wie den Besonderheiten des türkischen Rechts, dass von deutschen Familienrichtern ständig angewendet wird. Ein Schwerpunkt liegt hier auf dem Zugewinnausgleich.

§ 4 behandelt kollisionsrechtliche Probleme der Scheidung im Inland, bei der wiederum die spezifischen Anknüpfungsprobleme eingehend erörtert werden, um sodann dem Anwendungsbereich des Scheidungsstatuts unter Einbeziehung der Besonderheiten religiös geprägter Rechtsordnungen eingehend Raum zu widmen. Um hier Vollständigkeit anzustreben werden selbstredend in einem weiteren Abschnitt auch Problemstellungen der Scheidung im Ausland angesprochen, so etwa die Möglichkeit der Anerkennung ausländischer Scheidungen und deren Voraussetzung in Deutschland.

§ 5 behandelt die kollisionsrechtlichen Probleme der Abstammung von Kindern, während § 6 die einschlägigen Aspekte der elterlichen Verantwortung behandelt. In diesem Zusammenhang werden alle einschlägigen Rechtsquellen des Völkerrechts vorgestellt, die das Kollisionsrecht hier nachhaltig prägen. Auch in diesem Zusammenhang wird die Anerkennungsmöglichkeit ausländischer Entscheidungen klar herausgearbeitet. Dem Bereich der Kindesentführung ist angesichts der zunehmenden Praxisrelevanz ein eigenes Kapitel gewidmet, das wiederum die Rechtsquellen des Volkerrechts souverän aufarbeitet. § 7 geht auf die kollisionsrechtlichen Aspekte der Adoption ein und beschäftigt sich eingehend mit der Möglichkeit der Anerkennung ausländischer Adoptionen.

§ 8 geht umfassend auf die kollisionsrechtlichen Problemstellungen des Unterhaltsrechts ein, wobei wiederum die verschiedenen völker- und europarechtlichen Rechtsquellen eingehend auf die maßgeblichen Fallkonstellationen bezogen werden. Der Anerkennung ausländischer Urteile wird breiter Raum eingeräumt, wobei nunmehr auch der europäische Vollstreckungstitel eingehend behandelt wird. § 9 stellt die einschlägigen Probleme des Verlöbnisses dar, während § 10 die Probleme bei eingetragenen Lebenspartnerschaften behandelt.

Das Buch ermöglicht insbesondere Praktikern eine eingehende Orientierung  im internationalen Familienrecht, ausgehend von familienrechtlichen Sachproblemen. Es dürfte sich um eine der interessantesten Darstellungen ihrer Art handeln.