Ralf Hansen
Eine Übersicht über die zentralen Fragen des Internetrechts
Eine Rezension zu:
Detlef Kröger/Marc A. Gimmy, Hrsg.
Handbuch
zum Internetrecht
Electronic
– Commerce- Informations-, Kommunikations- und Mediendienste
Heidelberg,
Springer-Verlag, 2002, 1026 S., E 99,95,-
ISBN
3-540-42033-9
Das
Handbuch, das genauso gut als systematisches Lehrbuch dienen kann, enthält
einen umfassenden Überblick über eine der schillernsten Rechtsmaterien der
Gegenwart. Die rasante Entwicklung lässt jedes Buch zu diesem Thema allerdings
wenigstens in Teilbereichen schnell veralten. Ergänzungen finden sich daher im
WWW unter: http://www.internetrecht-info.de.
Wer sich mit Internetrecht beschäftigt, ist ohnehin auf die intensive Recherche
insbesondere im WWW angewiesen. Das Handbuch wurde in der zweiten Auflage
konzeptionell und inhaltlich erheblich verändert und enthält nunmehr auch ein
recht umfassendes Stichwortverzeichnis (Rezension
zur ersten Auflage). Einige Beiträge wurden ganz aufgegeben, neue sind
hinzugekommen und beibehaltene Beiträge wurden erheblich überarbeitet und
aktualisiert.
Das
Handbuch ist nunmehr statt in “Grundlagen”, “Rechtsverkehr im Internet”,
“Die Rechtsstellung der Beteiligten” und die “Rechtsordnung im Internet”
in die Bereiche „Der Rechtsverkehr im Internet“, „Die Rechtsordnung im
Internet“ und „Das Internet im internationalen und ausländischen Recht“
unterteilt. Im ersten Teil geben Thot/Gimmy einen Überblick über den
Vertragsschluss im Internet, der die Kernfragen anschaulich behandelt, jedoch
Beweisprobleme eher am Rande erörtert. Die Kernprobleme der digitalen Signatur
behandelt Bizer in einem interessanten Beitrag, wobei auf alle Veränderungen
der Rechtsgrundlagen intensiv eingegangen wird. Gramlich widmet seinen Beitrag
dem Thema des Zahlungsverkehrs im Internet und geht dabei auch intensiv auf die
vielfältigen Probleme des „electronic-cash“ ein. Die folgenden drei Beiträge
sind vertriebs- und unternehmensrechtlichen Einzelaspekten des E - Commerce
gewidmet und untersuchen „Rechtsfragen des Vertriebs von
Versicherungsdienstleistungen“ (Hoppmann/Moos), den „Wertpapierhandel im
Internet“ (Steck/Zieger) und Aspekte der Veranstaltungen von Hauptversammlung
bei der Aktiengesellschaft unter Einbeziehung des Internets (Hoppmann/Lange).
Sehr lesenswert – gerade für Praktiker – ist der vollständig neu
geschriebene Beitrag von Silke Gottschalk zu den sehr wichtigen Fragen der
„Vertragsgestaltung bei Content- und Access-Providern“, der gerade auch
Providern sehr weiterhelfen dürfte.
Teil II beginnt mit einer souveränen Bearbeitung des Beitrages von Moos über “Die Unterscheidung der Dienstformen Teledienst, Mediendienst und Rundfunk”, eines Themas also, dass keineswegs so „akademisch“ ist, wie es oft dargestellt wird, auch wenn die Abgrenzung in Grenzbereichen letztlich anhand der zur Verfügung gestellten gesetzlichen Kriterien kaum durchführbar ist. Die zahlreichen gesetzlichen Paradoxien in diesem Bereich werden jedenfalls sehr kritisch aufgearbeitet. Bysikiewicz behandelt in vorbildlicher Weise das sehr aktuelle Thema der „Zulassung und Aufsicht von Tele- und Mediendiensten“. Nach wie vor sehr informativ sind die drei Beiträge von Freitag zu wirtschaftsrechtlichen Aspekten des Internetrechts, also insbesondere zu den Bereichen Urheberrecht, Wettbewerbsrecht sowie Marken- und Kennzeichenrecht, die einen ausgezeichneten Überblick zu diesen für das Internetrecht sehr zentralen Fragen geben. Besonders hinzuweisen ist angesichts der Aktualität auf den Beitrag von Kröger zur Informationsrichtlinie, die in Deutschland, wenn auch verspätet, gerade in - rechtspolitisch sehr umstrittener - Umsetzung ist und viele Rechtsprobleme aufwirft (näher: http://www.urheberrecht.org) Eines der besten Darstellungen seiner Art bietet der Beitrag zum Datenschutzrecht von Moos, dem eine Darstellung der Fragen der Verantwortlichkeit nach §§ 8 – 11 TDG von Müller-Terpitz folgt, der die wesentlichen Auslegungsfragen gut auf den Punkt bringt. Schreibauer liefert einen lesenswerten Überblick über die Strafbarkeit im Internet, die auch intensiv auf die bisher ergangene Rechtsprechung eingeht. Die ungemein interessanten strafverfahrensrechtlichen Aspekte werden anschließend von Bär vertieft. Anschließend bieten zwei Beiträge von Kellersmann/Stahlschmidt Gelegenheit sich einen profunden Überblick über Fragen der nationalen Ertragsbesteuerung und zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Geschäftsvorfällen im Internet zu verschaffen.
In
Teil 3 gibt Moos zunächst einen Überblick über den supra- und internationalen
Rechtsrahmen, während Kellersmann/Stahlschmidt sich mit interessanten Fragen
der Doppelbesteuerung beschäftigen. Die vier folgenden Beiträge ermöglichen
eine aktive Rechtsvergleichung, da sie die Grundzüge des Internetrechts der
USA, der Schweiz, Spaniens und Griechenlands darstellen. Angesichts der
Vorreiterrolle des US-Rechts ist hier insbesondere auf den betreffenden Beitrag
hinzuweisen, der die wesentlichen Aspekte darstellt, die aus deutscher Sicht von
Interesse sind.
Mit
diesem Band liegt eine ausgezeichnete Darstellung des Internetrechts in einer
interessanten Neuauflage vor. Es versteht sich dabei von selbst, das sich der
interessierte Leser aus dem Internet selbst um Aktualisierung des
Informationsstandes bemühen muss. Ungeachtet dessen bieten derartige Handbücher
die Möglichkeit eine Momentaufnahme abzubilden.