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Ralf Hansen Problemstellungen des DRM Eine Rezension zu:
Arnold Picot/Heinz Thielmann (Hg.) Distribution und Schutz digitaler Medien durch Digital Rights Management Ein Handbuch für die Praxis Erstauflage Heidelberg: Springer, 2005, 158 S., ISBN 3-540-23844-1
Endnutzer begreifen DRM oftmals als erhebliche Beeinträchtigung des Rechts auf Herstellung von Privatkopien. Die Computer-, Film- und Musikindustrie ist an der technischen Optimierung dieser Verfahren indessen äußerst interessiert, deren rechtliche Absicherung weltweit auf dem Vormarsch ist. Es ist nicht zu übersehen, dass gerade in den Weiten des Internets die Raubkopie hoffähig ist und die Urheber und die Verwerter der Urheberrechte leer ausgehen. In der Tat wird im Internet millionenfach kopiert und vermarktet, ohne das die Rechteinhaber davon profitieren. Das Vorgehen gegen Piraterie im Netz wird denn auch im er schärfer. Der Konflikt zwischen "geistigem Eigentum" und der Freiheit der Information tritt immer offener zutage, ohne dass ein angemessener Ausgleich bislang gefunden werden konnte. Dem gewünschten wirtschaftlichen Effekt des DRM steht jedenfalls die Gefahr einer unerwünschten Einschränkung der Allgemeinheit beim Zugang zu immateriellen Ressourcen gegenüber. Der interessante Band enthält die Ergebnisse einer interdisziplinären Tagung des "Münchner Kreises" zu aktuellen Fragestellungen rund um DRM (s. auch Picot, Hrsg., Digital Rights Management, 2003, Springer), mit dem Versuch Lösungsperspektiven zu eröffnen oder Problemstellungen und Konfliktlagen wenigstens präzise zu beschreiben, ohne das auf alle Beiträge eingegangen werden kann, aus denen drei nachfolgend herausgegriffen werden. Die kontroversen Positionen werden in der Abschlussdiskussion im Panel deutlich. Picot gibt in seinem Beitrag einen interessanten einführenden Überblick über DRM in technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht. Er vertritt dort pointiert die Auffassung, dass die ausschließliche Diskussion um DRM vor dem Hintergrund des Pirateriekontextes zu kurz greift, insbesondere weil DRM Geschäftsmodelle ermöglicht, die einen Absatz überhaupt erst ermöglichen und stellt die Kernfragen, deren Lösung für ein effektives DRM-Management erforderlich ist (Zurückdrängung der Piraterie durch technische Maßnahmen, Realisierung des fair use, Schutz von Privatsphäre und Datenschutz), etc. Jacob von der Bertelsmann Music Group beschreibt die derzeitige, schwierige Lage der Musikindustrie, stellt diese aber zukunftsoffen dar. Er ist pointiert der Auffassung, dass die derzeitigen Aktionen gegen Musik- und Filmpiraterie nur kurzfristigen Erfolg haben werden und die Musikindustrie ihre Geschäftsmodelle langfristig ändern muss. Die seit etwa 2000 schrumpfenden Umsatzzahlen sieht er maßgeblich durch Piraterie und einem harten Wettbewerb um knapper gewordene Freizeitbudgets begründet. Er wendet sich insbesondere der Zukunft der digitalen Distribution zu und sieht hier mit guten Gründen einen erheblichen Absatzmarkt, in dessen Zentrum mehr und mehr die Rechteverwertung rückt. Gerade unter den im Zentrum stehenden technischen Aspekten ist der Beitrag von Grimm interessant, der einen Überblick über den Entwicklungsstand der DRM-Systeme (LWDRM, PotatoSystem) gibt und insoweit auch deren Grenzen aufzeigt. Er spricht als Ziel des DRM klar den Schutz der Rechteinhaber an, dass sich nur über Standardisierung einlösen lässt, ohne das dies in einer breiten Perspektive bislang gelungen wäre. Die Problemlage wird klar beschrieben: der Interessenkonflikt zwischen den Anbietern und ihren Kunden drückt sich maßgeblich darin aus, dass die Mittel zur Durchsetzung der Rechte der Anbieter bei digitalen Medien weitgehend in der Hand der Nutzer liegen, so dass man sich nicht wundern darf, wenn sie dort ausgehebelt werden. Es liegt auf der Hand, dass dieser Konflikt dass Vertrauen in den Markt zerstört, so dass Alternativen entwickelt werden müssen. Die bestehenden rechtliche Konflikte können letztlich nur technisch entschärft werden. Im itunes-Musicstore sieht er ein entwicklungsfähiges Modell für die Zukunft, weil es den Anreiz für Nutzer schafft sich verantwortungsvoll zu verhalten, um der unsinnigen Kriminalisierung der Internetnutzer Grenzen zu setzen. Das Ziel muss sein, das es sich lohnt für digitale Ware zu zahlen, weil der Gegenwert stimmt. Die Tagung führte sowohl zur Vorstellung von Problemlösungsmodellen als auch zu präzisen Problembeschreibungen. Wer sich über den aktuellen Stand der - auch technischen - Debatte rund um DRM informieren will, wird hier profunde Analysen finden.
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