Ralf Hansen
Ein Kompaktkurs in Kriminologie
Eine Rezension zu:
Michael Bock
Kriminologie
Für Studium und Praxis
Studienreihe Jura
2. Auflage, München: Vahlen - Verlag, 2000, 460 S., DM 58,- ISBN
3-8006-2583-0
http://www.vahlen.de
Das exzellent strukturierte Buch von Bock, Ordinarius in Mainz, hat
den Charakter eines Kompaktkurses in Kriminologie. Der Band ist ursprünglich
in erster Auflage in der Jurep-Reihe erschienen, die vom Verlag
aufgegeben wurde. Dies gab dem Verfasser Gelegenheit das Werk zu einem
umfassenden Lehrbuch weiterzuentwickeln und die bisherigen Inhalte
teilweise erheblich zu vertiefen. Juristische Vorkenntnisse werden
bewußt nicht vorausgesetzt, so daß sich das Werk auch an Soziologen,
Psychologen, Sozialarbeiter und Pädagogen richtet. Das Buch ist
“Einführung” und “Arbeitsbuch” zugleich.
In einem ersten Teil behandelt der Verfasser die Grundlagen und
entwickelt insbesondere sehr konsistente Vorstellungen zum Verhältnis
von Strafrecht und Prävention unter kriminologischen Aspekten. Auch
hinsichtlich der Methodendarstellung fällt - wie auch sonst -
angenehm auf, daß der Verfasser zahlreiche graphische Übersichten
eingefügt hat, die es erlauben sich einen schnellen Überblick zum
Gelesenen zu verschaffen. Gerade zur Vorlesungsbegleitung etwa ist das
Buch ideal, weil es alle maßgeblichen Forschungsansätze systematisch
aufarbeitet und einzeln vorstellt. Die Kritik zeigt deutlich, daß wir
inzwischen den Glauben an monokausale Erklärungstheorien verloren
haben und die Zukunft in den Integrationsversuchen liegt, die
allerdings noch sehr in der Diskussion sind, ohne daß empirisch
abgesicherte Theoriebildung jemals obsolet werden könnte. Diese
Diskussion wird sehr zuverlässig nachgezeichnet. Unter
“Ausweitungsversuche” behandelt der Verfasser die Ansätze der
Instanzenforschung, der Sanktionsforschung und auch der Viktimologie.
Besonders interessante Ausführungen finden sich zur
Sanktionsforschung. Hinsichtlich der negativen Generalprävention
kommt er zu dem interessanten Befund, daß weniger die
Sanktionsschwere als das Entdeckungsrisiko die Kriminalitätsrate
senken kann, sieht aber angesichts der Defizite der empirischen Daten
die kriminalpolitische Bedeutung der Sanktionsforschung, die politisch
erheblich überschätzt wird, als gering an.
Angesichts weitreichender empirischer Forschungsinteressen legt der
Verfasser mit Recht besonderen Wert auf die Darstellung der
“Angewandten Kriminologie”. Nicht zuletzt, weil diese eine ideale
Plattform für die Verständigung von Vertretern unterschiedlicher
Berufsgruppen darstellt. Entsprechend interdisziplinär ist die
Darstellung auch angelegt. Nach einer Standortbestimmung, die auch die
Relevanz für Ermittlungs- und Strafverfahren aufzeigt, geht es tief
in die Empirik, indem auch die Techniken der Erhebung und deren
Auswertung vorgestellt werden, die der empirischen Sozialforschung
korrespondieren. Schließlich werden daraus Diagnose - und
Prognosetechniken entwickelt, bis hin zur Früherkennung und
Kriminalprävention. Ein letzter Teil beschäftigt sich mit Kriminalität
in ausgewählten Deliktsbereichen. Hier findet sich insbesondere ein
sehr lesenswertes Kapitel zur “Organisierten Kriminalität”, mit
einer sehr präzisen historischen Nachzeichnung des Phänomens. Ähnlich
profunde Darlegungen finden sich zur Drogen-, Gewalt- und
Sexualkrimininalität.
Mit der zweiten Auflage hat das Werk erheblich gewonnen und kann
nunmehr als Standardwerk für die Erarbeitung des Rüstzeuges für die
kriminologische Praxis bezeichnet werden, dessen Lektüre auch für
den Praktiker noch allemal lohnend sein dürfte.
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