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Ralf Hansen Zeugenaussagen in Strafverfahren Eine
Rezension zu: Gabriele Jansen Zeuge und Aussagepsychologie Erstauflage Reihe: Praxis der Strafverteidigung Heidelberg:
C. F. Müller, 2004, S. 294 ISBN
3-8114-0861-2 http://www.cfmueller-verlag.de
Den Aussagen von Zeugen kommt im Strafprozess erhebliche Bedeutung zu. Der Verteidiger kann nicht darauf vertrauen, dass das Gericht sein Fragerecht erschöpfend auch zugunsten des Angeklagten ausübt, sodass vom eigenen Fragerecht oftmals Gebrauch zu machen ist. Auch aussagepsychologische Gutachten sind - wie BGHSt 45, 164 zeigt - nicht einfach hinzunehmen. Der vorliegende, äußerst lesenswerte Band versucht Hilfestellungen für die Situation in der Hauptverhandlung und bei der Analyse von Ermittlungsakten sowie von Gutachten aus der Sicht der Aussagepsychologie zu geben. Die Autorin, Strafverteidigerin in Köln, zeichnet im ersten Teil - Zeugenaussage - zunächst die Entwicklung der Aussagepsychologie nach, wobei sie maßgeblich die wichtigsten BGH-Entscheidungen Revue passieren lässt, nachdem die Entwicklung der psychologischen Grundlagen in einschlägigen Forschung knapp skizziert wurde. Die Aussagepsychologie geht von bestimmten Hypothesen aus, um Aussagen auf ihren Richtigkeitsgehalt zu prüfen. Eine unrichtige Aussage enthält keineswegs stets eine bewusste Lüge. Entsprechend komplex sind die Prüfstrategien, bei denen Unwahrheitshypothesen, Erlebnishypothesen und Alternativhypothesen unterschieden werden, ohne dass hier völlige Einigkeit bereits bei der Begriffsbildung herrscht. Die Gutachtenmethodik ist denn auch mitunter recht unterschiedlich, wie gerade der Bereich der Hypothesenprüfung zeigt. Die Darstellung orientiert sich an den o.g. Vorgaben des BGH und setzt sich insbesondere mit den Realkennzeichen näher auseinander. Die Auseinandersetzung mit der BGH -Rechtsprechung ist erschöpfend und äußerst detailliert, auch zur Einholung eines Gutachtens und dessen Notwendigkeit mangels eigener Sachkunde des Gerichts. § 2 hat die Zeugenvernehmung zum Gegenstand, ausgehend von der Funktion der Vernehmensbedingungen, ihrem Ort und ihrer Durchführung. Zutreffend wird deutlich gemacht, dass bereits der Text der Ladung Einfluss auf die Aussage haben kann. Der Kommunikationsprozess wird genau analysiert, durchaus entlang der Vorgaben der StPO, wie etwa die Ausführungen zum Vorhalt nebst Beispiel zeigen. Standardfragen werden hierbei aufgelistet. Besonders interessant sind insoweit die Ausführungen zum Ausdrucksverhalten während der Aussage, die mit etwa mit der Legende von den typischen Lügenkennzeichen aufräumen. § 3 hat die aussagepsychologische Begutachtung zum Gegenstand, deren Art und Umfang von der Auftragserteilung abhängt. Die Verfasserin geht hier ausführlich auf die Gutachtenmethodik ein, von der Prüfung der Aussagekompetenz, über die Exploration, die Fehlerquellenanalyse bis hin zur Realkennzeichenanalyse. Deren Kenntnis ist Voraussetzung, um ein solches Gutachten intensiv prüfen zu können. Der Prüfung dieser Gutachten, auch unter methodenkritischen Aspekten wird dabei intensiv Raum gewährt. § 4 geht kurz auf die Bedeutung im Prozess ein. Der interessante Anhang bringt die BGH-Grundsatzentscheidung und Checklisten für Mindeststandards sowie weitere Materialien. Die interessante Darstelung ist cum grano salis durchaus auch für die Situation in zivilrechtlichen Beweisaufnahmen fruchtbar zu machen. Sie bietet eine äußerst gelungene Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Erkenntnisse der Aussagepsychologie und macht sie für die Praxis umsetzbar.
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