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Ralf Hansen
Eine
umfassende Darstellung der Praxis des arbeitsgerichtlichen Verfahrens Eine Rezension zu: Alexander Ostrowicz/Reinhard Künzl/Horst Schäfer Der
Arbeitsgerichtsprozess Eine
systematische Darstellung des gesamten Verfahrensrechts mit einstweiligem
Rechtsschutz und Zwangsvollstreckungsrecht 2.
Aufl., Berlin, Erich-Schmidt-Verlag, 2002, 526 S., E 86,-
ISBN
3-503-06655-1 http://www.erich-schmidt-verlag.de
Das Handbuch bietet in der zweiten Auflage eine noch umfassendere, kompaktere Darstellung aller maßgeblichen Aspekte des arbeitsgerichtlichen Verfahrens. Die Autoren haben den Text durchgehend neu bearbeitet und streckenweise erneut wesentlich erweitert. Es handelt sich bei diesem Band um eine äußerst systematische und aktuelle Bestandsaufnahme aller maßgeblichen Verfahrensfragen des Arbeitsgerichtsprozesses für die Praxis. Es richtet sich zum einen an die Vertreter der Berufsgerichtsgerichtsbarkeit in der Arbeitsgerichtsbarkeit, andererseits aber auch besonders an Prozessvertreter, also an Rechtsanwälte und Verbandsvertreter. Der Band legt besonderen Wert auf die Herstellung der
Zusammenhänge mit der Zivilgerichtsbarkeit. Das am 01.01.2002 in Kraft
getretene Gesetz zur Reform des Zivilprozesses hat auch unmittelbare
Auswirkungen auf den Arbeitsgerichtsprozess wie Art. 30 des ZPO-RG zeigt.
Weitere Änderungen ergaben sich in §§ 46 II, 64 II, 72 V, 80 II und
87 II ArbGG. Diese Änderungen haben die Verfasser intensiv in die
Neuauflage eingearbeitet, so dass das Handbuch zuverlässig Auskunft über die
Änderungen der Rechtslage in diesem Bereich bietet, die jeweils in einzelnen
Abschnitten erörtert werden. Zwar orientiert sich die Lösung von Streitfragen
weitgehend an der Rechtsprechung insbesondere des BAG, doch wird die Literatur
eingehend berücksichtigt und diskutiert. Die Darstellung ist als umfassendes Handbuch angelegt und führt
zunächst - nach einer Übersicht über die Grundlagen - zu einer umfassenden
Darstellung des Urteilsverfahrens erster Instanz. Die Ausführungen zeigen
insbesondere bei der Rechtswegzuständigkeit die enge Verzahnung arbeitsprozessrechtlicher
Fragen mit materiellrechtlichen Fragen, so etwa beim Arbeitnehmer- und
Arbeitgeberbegriff nebst Fragen des Vorliegens eines Arbeitsverhältnisses,
deren Vorliegen nach materiellen Kriterien zu bestimmen ist. Die Ausführungen
sind stets knapp und sehr strukturiert, so dass sich gesuchte Informationen
leicht auffinden lassen, in eingehender Kenntnis der selektiven Lesart der
Praxis, die Informationen für konkrete Falllösungen unter Zeitdruck sucht. Die
Klagearten werden sehr eingehend diskutiert, insbesondere werden auch die
Anforderungen an die Klageschrift eingehend erörtert, nicht zuletzt
hinsichtlich der erheblichen Besonderheiten der Kündigungsschutzklage.
Besonderes Augenmerk ist auf die sehr lesenswerten Ausführungen zum
obligatorischen Gütetermin und zum Beweisverfahren zu richten. Die Änderungen
durch das Schuldrechtsreformgesetz für die maßgeblichen Darlegungs- und
Beweislastregeln sind eingehend berücksichtigt. Im Vergleich zum Parallelband
zum sozialgerichtlichen Verfahren fehlen in
diesem Band Schriftsatzmuster.
Ihre Aufnahme könnte den Nutzwert des Bandes noch erhöhen.
Kapitel 3 enthält eine Darstellung des Berufungsverfahrens.
Hier sind besonders die Ausführungen hinsichtlich der Anforderungen an eine
fehlerfreie Berufungsschrift für den Praktiker interessant, insbesondere zur
Berufungsbegründung. Dies gilt nicht weniger für die Ausführungen zum
Revisionsverfahren. Da die Revision stets der Zulassung durch das
Landesarbeitsgericht bedarf, spielt die Nichtzulassungsbeschwerde in der Praxis
eine bedeutende Rolle. Die Ausführungen zur Nichtzulassungsbeschwerde stellen
denn auch einen Schwerpunkt der Darstellung in diesem Kapitel dar. Hinsichtlich
der Revisionsbegründung finden sich sehr hilfreiche Vorschläge für
erfolgversprechende Anträge und für eine schlüssige Begründung des
Revisionsvorbringens. Mit dem kollektivrechtlich ausgerichteten Beschlussverfahren
des § 2 a ArbGG setzen sich die Verfasser sehr intensiv auseinander und
schlagen insbesondere die Brücke zu den einschlägigen Vorschriften des BetrVG
und des TVG. Gegen diese Beschlüsse ist das Beschwerdeverfahren eröffnet, das
im Anschluss ebenfalls ausführlich dargestellt wird. Das Augenmerk des Lesers ist aber nicht zuletzt auf das
herausragende Kapitel zum einstweiligen Rechtsschutz im arbeitsgerichtlichen
Verfahren zu richten. Auch hier gewinnt es zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt
aufgrund der prekären wirtschaftlichen Ausgangslage, wie die Verfasser zu Recht
hervorheben. Der Schwerpunkt liegt angesichts der praktischen Bedeutung weniger
auf dem Arrestverfahren als auf der einstweiligen Verfügung und hier
insbesondere auf der Erörterung des Leistungsverfügung, der arbeitsrechtlich
im Zusammenhang mit der Beschäftigungs- und Vergütungspflicht eine
hervorgehobene Bedeutung zukommt. Besonders interessant ist hier die Erörterung
der Einzelfälle, namentlich bei der vorläufigen Durchsetzung eines Beschäftigungsanspruches,
der erhebliche Anforderung an die Interessenabwägung stellt, nicht zuletzt
angesichts der Regelungen über den Annahmeverzug und die Möglichkeit von
Schadensersatzansprüchen. Grundsätzlich werden alle maßgeblichen Fragen
intensiv angeschnitten, auch hinsichtlich des vorläufigen Rechtsschutzes im
Arbeitskampf bei der Abwehr von Streik- oder Aussperrungsmaßnahmen. Ein letztes
Kapitel widmet sich Fragen der Zwangsvollstreckung und geht in diesem
Zusammenhang auch dem Anwendungsbereich der Vollstreckungsgegenklage im
Arbeitsgerichtsprozess nach. Das Handbuch ist eine ausgezeichnete Hilfe für die Bewältigung
der Praxisprobleme des Arbeitsgerichtsprozesses und letztlich in diesem
Zusammenhang kaum mehr entbehrlich. |