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Ralf Hansen
Realistische Möglichkeiten der Abänderung von
Unterhaltstiteln
Eine Rezension zu:
Jürgen Soyka
Die Abänderungsklage im Unterhaltsrecht
Änderung der Verhältnisse
Präklusion
Bindungswirkung
Störung der Geschäftsgrundlage
Bielefeldt: Erich - Schmidt - Verlag, 2. Aufl., 2004, 220 S.
ISBN 3-503-08366-9
Der Verfasser, Vors. Richter am OLG Düsseldorf, hat bereits mit einigen
Monographien die familienrechtliche Literatur bereichert. Die zweite Auflage
dieser interessanten Monografie ermöglicht einen unfassenden Einblick in die
vielfältigen Probleme der Abänderungsklage. In gewisser Weise kann die Lektüre auch einen gewissen
"risikominimierenden" Nebeneffekt haben, da - wie der Verfasser
eingangs feststellt - die mit der Abänderungsklage verfolgten Ziele oftmals nicht erreicht werden und die betreffenden Mandanten
oftmals nach einem "zweiten Schuldner" suchen - dem das Mandat
durchführenden Rechtsanwalt.
Es ist daher ein besonderes Anliegen des Verfassers, die Ursachen derartiger
Fehleinschätzungen soweit wie möglich zu beseitigen und den Blick für eine realistische Einschätzung
der Sach- und Rechtslage zu schärfen. Dies gelingt vorzüglich. Dazu wählt
er - wie in anderen Büchern auch - einen sehr strukturierten Aufbau,
in den sich die Probleme leicht einordnen und dann auch leicht auffinden
lassen. In die Darstellung sind zahlreiche Beispiele aufgenommen, die die
Probleme am Fall verdeutlichen. Völlig zu Recht orientieren sich die
Darlegungen an der Rechtsprechung der BGH als der für die Praxis allein maßgeblichen
Richtschnur. Der Aufbau orientiert sich an der praxisorientierten
Vorgehensweise bei der Bearbeitung von Abänderungsklagen und insoweit auch
den Charakter eines Handbuches.
Zunächst legt der Verfasser die
allgemeinen Grundsätze der Abänderungsklage dar, ausgehend von der Prognoseentscheidung des § 258 ZPO, die bei
wesentlicher Änderung der zugrundeliegenden wirtschaftlichen Verhältnisse
oftmals einen gewissen Abänderungsbedarf auslöst und grenzt die
Abänderungsklage
des § 323 ZPO von anderen Abänderungsmöglichkeiten ab, deren gestaltender
Zweck zur Durchbrechung der Rechtskraft des alten Titels führt. Probleme
entstehen besonders dann, wenn die Unterhaltsleistung auf einer
Parteivereinbarung beruht, ohne das eine Titulierung erfolgt ist.
Typischerweise will die klagende Partei ja die Änderung der im Titel
festgeschriebenen Leistungsverhältnisse zu seinen Gunsten ändern. Der nächste Abschnitt
behandelt, dem Aufbau der Entscheidungsgründe eines Urteils folgend, Fragen
der Zulässigkeit der Abänderungsklage,
ausgehend von der Abgrenzung zur Erstklage als einer Leistungsklage nach §
258 ZPO und natürlich in Abgrenzung zur Klage nach § 767 ZPO. Besonders
eingehend werden Zweifelsfälle behandelt. Besonders hilfreich für RAe ist
der Abschnitt C: "Formulierung der Anträge". Hier werden konkrete
Hilfen für die möglichst exakte Antragstellung gegeben, unterteilt nach
Fallgruppen und Problemkonstellationen. Hier finden sich auch
Formulierungshilfen für die Leistungsklage nach § 258 ZPO oder die negative
Feststellungsklage bei nicht titulierten Unterhaltsvereinbarungen, etwa bei
privatschriftlicher Vereinbarung.
Teil D behandelt die Begründetheit der Abänderungsklage,
ausgehend vom Regelfall des § 323 I ZPO, der Abänderung eines Urteiles. Abänderungsklagen
setzen eine wesentliche Änderung der Verhältnisse voraus. Die Grenze wird
regelmäßig bei etwa 10% gezogen. Der Verfasser geht auf die
Wesentlichkeitsgrenze und die vielfältigen Beweislastprobleme intensiv ein.
Eine alphabetisch geordnete Beispielsliste erleichtert die Rechtsanwendung
erheblich. Eingehend ist auch die Auseinandersetzung mit der § 767 II ZPO
nachgebildeten Präklusionsvorschrift des § 323 II ZPO, wobei auch
Billigkeitsaspekte kurz gewürdigt werden. Richtigerweise werden jene Fälle,
in den die Rechtskraft der Billigkeit weichen muss, auf krasse Ausnahmefälle
beschränkt. Eingegangen wird auch auf typische Fehler und den sinnvollen
Aufbau einer Abänderungsklage.
Selbstredend wird auch die Abänderung von Prozessvergleichen und notariellen
Unterhaltsvereinbarungen eingehend thematisiert, wobei die Besonderheiten
deutlich herausgestellt werden. Besonders interessant sind die Ausführungen
über die Abänderbarkeit nicht titulierter Unterhaltsansprüche, die regelmäßig
zur Frage der Erschütterung der Geschäftsgrundlage führen und bis in die
letzten Einzelheiten hinein sehr umstritten sind.
Der systematische Überblick ist rundum gelungen, überaus informativ und
insbesondere für die anwaltliche Praxis sehr hilfreich. Wer sich mit
Familienrecht beruflich näher beschäftigt, sollte dieses Buch kennen.
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